Masturbation als Meditation
In diesem Artikel widme ich mich einem für viele vermutlich etwas befremdlichen Konzept, nämlich: Masturbation als Meditation.
Ich möchte mit dir teilen, wie Solosex dich aus dem Funktionieren ins Spüren bringen kann. Wenn du Masturbation nicht mehr länger als etwas siehst, das dich möglichst effizient irgendwo hinbringen soll, sondern als einen Raum, in dem das Denken leiser werden, die Kontrolle zurücktreten und du dich als verkörpertes, fühlendes Wesen erleben darfst, dann kann Masturbation zu Meditation werden und eine völlig neue Qualität gewinnen.
Wie liebst du dich?
Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, wie, wann und warum du Solosex hast?
Denn wenn wir ehrlich sind, ist Masturbation für viele von uns häufig ein Mittel zum Zweck. Wir wollen möglichst effizient ein bestimmtes sexuelles Ergebnis (Erregung, mehr Erregung, Höhepunkt, Entladung) produzieren. Darauf ist unser ganzer Fokus gerichtet. Oft ist der Ablauf immer der gleiche, die Berührung mechanisch und lokal auf die Genitalien begrenzt, auf schnelle Entladung ausgerichtet und von Fantasien getragen. Auch für mich war das lange Zeit, wie ich Masturbation gelebt und erlebt habe.
Wir sind mit anderen Worten auch beim Solosex häufig in einem Funktions- und Leistungsmodus und in einem Zieldenken. Wir wollen ein bestimmtes Ergebnis, ein Ziel erreichen. Und daran ist erst einmal nichts falsch. Masturbation zum Druckabbau, zur Entspannung oder zur Einschlafhilfe zu nutzen, ist legitim und effektiv. Und es kann sich super gut anfühlen. Ich möchte Solosex Quickies auf keinen Fall schlechtreden oder dir sagen, dass du damit aufhören sollst.
Aber was wäre, wenn ich dir sagen würde, dass Solosex auch eine ganz andere Qualität, eine ganz andere Tiefe haben kann? Was, wenn da noch so viel mehr möglich wäre?
Mein Aha-Moment
Mit Mitte Zwanzig habe ich angefangen Yoga zu praktizieren und bin so auch zur Meditation gekommen. Dadurch hat sich für mich eine neue Welt eröffnet und ich habe gemerkt, wie ich allgemein präsenter und gelassener durchs Leben gehen konnte. Gleichzeitig habe ich mich schon damals intensiv mit weiblicher Sexualität beschäftigt. Und dabei begann ich, eine spannende Verknüpfung zu machen…
Was ist Meditation?
Aber lass uns erst einmal vorweg klären, was Meditation eigentlich ist, bevor ich dir verrate, wie du meditativ masturbieren kannst:
Generell lässt sich der Zustand der Meditation natürlich schlecht erklären, er muss fast erlebt werden. Für mich geht es beim Meditieren darum, meine Gedanken zur Ruhe zu bringen und meinen Geist zu fokussieren. Ich richte meine Aufmerksamkeit nach innen in tiefer Achtsamkeit. Es geht darum, ganz im Hier und Jetzt zu sein, ohne dass der Geist ständig in die Vergangenheit oder in die Zukunft entwischt. Dabei stellen viele sich einen buddhistischen Mönch vor, der im Lotussitz ganz still meditiert – aber das ist nur eine Form von Meditation.
Es gibt nämlich auch «Meditation in Movement», also eine verkörperte Form des Meditierens. Diesen Zustand der inneren Ruhe, des Loslösens von Gedanken, des ganz zu sich Kommens im Hier und Jetzt, das kann auch erlebt werden, während der Körper in Bewegung ist – beim Joggen, Kochen, Gewichtheben – und eben auch beim Masturbieren respektive beim Sex. Das hat mich sofort fasziniert.
Ich begann mich zu fragen: Wie würde Solosex aussehen und sich anfühlen, wenn ich diesen meditativen Zustand von vollkommener Präsenz, nach innen gerichteter Achtsamkeit und tiefer Verbundenheit nicht nur auf der Yogamatte, sondern auch im Bett erleben könnte?
Wie Masturbation zu Meditation wird
Kurz gesagt wird Solosex dann meditativ, wenn du nicht versuchst, deinen Körper möglichst effizient zu einem bestimmten Ergebnis zu bringen, sondern die Aufmerksamkeit auf das richtest, was du im Moment und in deinem Körper tatsächlich empfindest: aufmerksam, gegenwärtig, ohne sofort etwas erreichen oder verändern zu müssen. Wenn du tief verbunden bist mit deinem Körper, mit dir selbst und mit allem, was gerade da ist, während du dich berührst. Wenn du ganz im Hier und Jetzt bist und dein Geist ruhig und ohne Erwartung, Bewertung oder Leistungsdruck ist, während du deinen Körper erkundest. Wenn du nirgendwo hin musst oder willst, sondern einfach sein kannst.
Das ist nicht eine «bessere» Form von Solosex als diejenige, die ich zu Beginn dieses Artikels erläutert habe. Aber es ist eine andere Form, Intimität mit sich selber zu erleben, die unseren alltäglichen Modus von Funktionieren, Leisten und Performen durchbrechen und dadurch einen ganz neuen Zugang zu deinem Erleben von Lust, Erregung & Sexualität schaffen kann. Für mich war es jedenfalls ein Gamechanger und ich lade dich ein, dich auf das Experiment «Masturbation als Meditation» einzulassen und selber zu erfahren, was noch alles möglich ist.
Möchtest du Masturbation als Meditation erleben?
Vielleicht denkst du dir jetzt: Das klingt ja alles schön und gut aber wie soll ich das denn nun konkret umsetzen?
Wenn du deine nächste Solosex-Session meditativer gestalten möchtest, dann lade ich dich ein, Folgendes auszuprobieren:
Nimm dir Zeit, ganz viel Zeit. Slow down. Erlaube dir, dir Zeit für dich und für Pleasure zu nehmen.
Set the scene: Schaffe dir ein Wohlfühlnest für deine Selbstliebepraxis, das alle deine Sinne anregt.
Berühre deinen ganzen Körper, nicht nur deine Genitalien. Experimentiere mit verschiedenen Formen der Berührung an unterschiedlichen Körperstellen und bleibe stets neugierig, offen und liebevoll mit dir selber. Berühre dich um der Berührung willen, nicht, um eine bestimmte Empfindung hervorzurufen.
Lass das Ziel «möglichst schnell zum Orgasmus» los, sondern fokussiere darauf, was du von Moment zu Moment empfindest, was du wahrnimmst, was du fühlst, ganz ohne zu bewerten oder zu urteilen oder etwas damit machen zu müssen. Wenn Gedanken kommen, lasse sie los und komme zurück ins Spüren und in den Moment.
Löse dich von Fantasien: Sexfanasien sind ein super Tool, um dich in Stimmung zu bringen und ich möchte sie auf keinen Fall verteufeln! Aber versuche doch einmal, deinen Geist bewusst nicht in Fantasien abschweifen zu lassen bei deiner nächsten Selbstliebepraxis. Wenn dir das zunächst schwerfallen sollte, dann kannst du dich z.B. auf deinen Atem konzentrieren oder bewusst immer wieder zu deinen Körperempfindungen kommen.
Ich wünsche dir viel Spass beim Erkunden und Meditieren. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du deine Selbstliebepraxis erweitern kannst, dann melde dich gerne bei mir.